über Wallendorfer Porzellan

Eine kurze Geschichte der Wallendorfer Porzellan-Manufaktur

Gut 50 Jahre nach der Erfindung des Porzellans durch Ehrenfried Walther von Tschirnhaus und Johann Friedrich Böttger gründete Wolfgang Hammann aus Katzhütte gemeinsam mit seinem Sohn am 30. März 1764 die Porzellanmanufaktur Wallendorf, nachdem ihm die Konzession zur Porzellanherstellung im Herzogtum Sachsen-Coburg erteilt wurde.

Bereits ab 1780 gelang Hammann durch die Verwendung böhmischen Kaolins die Herstellung eines auffallend reinweißen Scherbens, der „blendend weiß, fein gemahlt und so hart, dass es am Stahl Funken giebt“, war.
Die Wallendorfer Porzellan-Manufaktur befand sich bis 1833 im Besitz der Gründerfamilie und wanderte danach durch die Hände erfahrener Porzelliner wie Hutschenreuther, Kämpfe, Sonntag, Heubach, Frauenreuth und Schaubach. So erklärt sich auch die Vielzahl der verwendeten Bodenmarken, die zeitweise stark an das Meißner Markenzeichen erinnerten. 200 Jahre nach der Gründung der Porzellan-Manufaktur Wallendorf wurde schließlich die jetzige Marke „W“ eingeführt. Ein „W“ unter bekreuzter Helmkrone und dem Gründungsjahr 1764.

Porzellanherstellung aus Tradition

Seit jeher ist die Wallendorfer Porzellan-Manufaktur der traditionellen Kunst des Manufaktürlichen verpflichtet. Das Produktionsprogramm umfasst die handwerkliche Herstellung von Tee-, Kaffee- und Schokoladenservices (seit 1764), figürliche Darstellungen (seit 1785) sowie verschiedene Zier- und Körbchenserien. Die in Jahrhunderten weiterentwickelte Rezeptur der Porzellanmasse ist ein nach wie vor sorgsam gehütetes Manufakturgeheimnis.
Unverändert hingegen zeigt sich der handwerkliche Herstellungsprozess, neue Technik wird ergänzend dort eingesetzt, wo es technisch sinnvoll erscheint. Hier wird edles, von kunstfertiger Hand geformtes und gestaltetes Porzellan hergestellt, das seinem Besitzer einen Hauch Kunst und Inspiration im Alltag schenkt. So finden sich in Museen von New York über London und Berlin bis Sankt Petersburg Ausstellungsstücke mit der Wallendorfer Bodenmarke.

Feines Porzellan für Sammler und Kenner

Die Services der Wallendorfer Porzellan-Manufaktur, bekannt unter dem Namen „Dresmer Teegood“, werden nach den alten Originalformen und –dekoren in den ursprünglichen Formen hergestellt: So wird die im Ostfriesischen begründete hohe Kunst des Teetrinkens durch die Dekore „Blau Dresmer“, „Rot Dresmer“ und „Ostfriesische Rose“ verfeinert und hat seit jeher einen festen Platz im Haushalt. Liebhaber schätzen besonders die figürlichen Darstellungen der Wallendorfer Porzellan-Manufaktur. Dabei ist jede Figur ein Unikat, von Hand in Form gegossen, zusammengesetzt und bemalt oder als Biskuit-Porzellan hergestellt.

Jüngste Ereignisse

Seit Anfang 2006 wird in der Manufaktur Wallendorf neben der Traditionsmarke Wallendorfer Manufaktur auch Gilitzer Porzellan sowie Sortimente der Marke Design-House hergestellt. Die Fertigung der Bone-China-Sortimente der Marke Gilitzer wurde mit großem Aufwand und viel technischer Raffinesse in die laufende Produktion des Hartporzellans integriert. Dies war nur durch die vielen Überstunden der leitenden Keramiker möglich. Der Monat November 2009 war durch den Insolvenzantrag des Rechtsanwalts Dr. Thomas Dithmar von der Kanzlei Schulze & Braun, Erfurt, überschattet. Diese Insolvenz ist die erste Insolvenz der Wallendorfer Porzellan-Manufaktur seit Reprivatisierung aus der Treuhand nach der Wende. Damit gehört Wallendorf nicht mehr zu dem exklusiven Kreis der Porzellan herstellenden Unternehmen, die neben der Meißner Porzellan-Manufaktur keine Insolvenz überstehen musste. Viele Produktionsstandorte haben eine Insolvenz nicht überlebt, mit der Folge, dass Deutschland als Traditionsland der Porzellanherstellung um viele kulturhistorische Wegmarken als auch traditionelle Arbeitsplätze ärmer wurde. Diesen Weg gilt es für die Wallendorfer Porzellan-Manufaktur zu verhindern. Eine fast 250jährige Tradition der Porzellanherstellung darf nicht aus Eigennutz eines Einzelnen enden!